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 Die Islamische Wirtschaftsordnung

   
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: 27/02/2008
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: Die Islamische Wirtschaftsordnung    03, 2009 7:39 pm

Die Islamische Wirtschaftsordnung
Im Namen Allahs, des Allerbarmherzigen, des Allgtigen.

WAS SAGT DER ISLAM ZUR WIRTSCHAFTSORDNUNG ?

Nur wenige Bereiche des menschlichen Handelns, so scheint es, bestimmen
so sehr unser Dasein wie der Bereich der Wirtschaft. Durch das
Wirtschaften "schaffen wir" die materiellen Voraussetzungen fr unser
Leben. Das ist das Trugbild, das uns die falschen Propheten vorgaukeln.
Niemand und nichts "schafft" außer dem Schöpfer. Von
Allah sind uns alle Voraussetzungen fr unser dasein gegeben, zur
Nutzung anvertraut, und von Allah sind uns Regeln und
Grundsätze fr den Umgang mit Seiner Schöpfung
gegeben. Dazu gehört ganz zweifellos auch der Bereich der
Wirtschaft. Deshalb muß man fragen: Was sagt Allah zur
Wirtschaftsordnung ?

ISLAM HEIßT FRIEDENMACHEN

In Allahs Schöpfung herrscht Harmonie und Frieden, und Gott
hat auch dem Menschen den Weg des Fridenmachens vorgegeben. Islam
heißt wörtlich: Friedenmachen. Der Mensch soll
Frieden machen mit Allah, mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und
mit Allahs Schöpfung. Die Art und Weise, wie man Allahs
Schöpfung umgeht, auch in ihr "wirtschaftet", kann
friedenmachend sein oder Unheil und Unfrieden bewirken.

IN WAS FÜR EINER WELT WIR LEBEN

Während du diese Zeilen liest, verhungern andere Menschen in
der selben in der du lebst. Menschen wie du, deine Mitmenschen, die
sich von dir durch nichts unterscheiden, außer das sie nicht
wie du in dem Teil der Welt leben, nicht zu dem Teil der Gesellschaft
zählen, in dem der Überfluß statt Mangel
herrscht. In der Welt, in der wir leben, leiden von den insgesamt 5,2
Milliarden (1996, M.K.) Menschen ber 1 Milliarde an Nahrungsmangel
oder seinen Folgen, d.h. jeder fnfte Mensch hat nicht genug zu essen,
wird davon krank, ist dann körperlich zu schwach, einer Arbeit
nachzugehen, gerät dadurch in noch tiefere Not, hat dann noch
weniger zu essen, wird noch schwächer und kränker und
stirbt schließlich einen armseligen Tod. Wieso nicht du ?

DIE ARMEN WERDEN ÄRMER

Selbst in unserer Überflußgesellschaft
wächst soziale Not, und darber, daß sich die Lage
der sogenannten "Entwicklungsländer mit niedrigem Einkommen"
(bis $ 500 BSP pro Kopf und Jahr) in den vergangenen Jahren noch weiter
verschlechtert hat, besteht Einigkeit unter den Experten. Dabei wird
als Hauptfaktor die "Überschuldung" angefhrt, d.h. die
Unfähigkeit, in der Vergangenheit erhaltene Kredite
zurckzuzahlen. Was in diesen Ländern erwirtschaftet werden
kann, muß oft allein dazu verwendet werden, die mit solchen
Krediten verbundenen Zinsen zu zahlen. Diese Mittel fehlen dann aber
fr die Entwicklung des - jeweiligen (M.K.) - Landes. Fr
Entwicklungsmaßnahmen mssen deshalb wiederum Kredite
aufgenommen werden. dies fhrt zu einer ausweglosen Armutsspirale.

PROBLEM WELTERNÄHRUNG

Manche Menschen halten diese Armut immer noch fr "gottgegeben" und
behaupten, es gäbe auf der Erde nicht genug zu essen, um alle
Menschen zu ernähren. In Wirklichkeit aber reichen die
vorhandenen und erzeugten Nahrungsmittel völlig aus. Global
gesehen besteht kein Mangel und wrden mancherorts bestehende
Einschränkungen aufgehoben, könnten sogar noch mehr
Nahrungsmittel erzeugt werden. Tatsache bleibt aber, daß nach
Angaben der UNICEF täglich 40.000 Kinder den Hungertod
sterben. Woran liegt das ? Hier tödlicher Mangel, dort
sattester Überfluß. Man muß also, wenn man
ehrlich ist zugeben: dasderzeitige Wirtschaftswesen ist nicht in der
Lage, den Bedrfnissen der Menschen gerecht zu werden. Es bringt keinen
Frieden, sonder ist ungerecht, und zwar so ungerecht, daß es
fr viele Menschen tödliche Folgen hat. Die Art und Weise, wie
wir Menschen derzeit in dieser Welt wirtschaften, ist verantwortlich
fr den Tod unserer Mitmenschen. Oder in letzter Konsequenz: Das
jetzige Weltwirtschaftswesen ist Mord.

PROBLEM BEVÖLKERUNGSWACHSTUM

Zur Lösung der vom jetzigen Weltwirtschaftssytem verursachten
Probleme schlagen viele Experten an allererster Stelle vor, das globale
Bevölkerungswachstum einzuschränken, und viele
gutgläubige Menschen aus den
Überflußländern halten das fr gut. Sie
behaupten, daß die Armut in den unterentwickelten
Ländern durch die hohe Zahl der dort lebenden Menschen
verursacht werde. Ihre Rechnung ist ganz einfach: Die
Weltbevölkerung wächst jährlich um 90
Millionen Menschen, in den Industrienationen (wo nur ca. 20% der
Weltbevölkerung lebt) aber nur halb so schnell (bzw. noch
weniger, M.K.) wie anderswo. Wenn also die Zahl der Menschen in den
armen Regionen reduziert wird, sollte das, was dort erwirtschaftet
werden kann, fr die dann geringere Zahl von Menschen gengen. Sie
halten also grundsätzlich an der Teilung der Welt in 'hier'
und 'dort' fest. Bei uns, 'hier', soll alles bleiben wie es ist, denn
uns geht es ja gut. Bei den armen, 'dort', wo es schlecht geht,
muß etwas verändert werden. 'Dort' gibt es 'zu
viele' Menschen, also muß 'dort' das
Bevölkerungswachstum eingeschränkt werden.

Dieser Gedankengang verschleiert, daß unser
Überfluß 'hier' ursächlich
zusammengehängt mit dem Mangel 'dort'. Der Mangel an
Nahrungsmitteln in den armen Regionen der Erde ist eine direkte Folge
der Tatsache, daß 'dort' statt Nahrungsmittel fr die
einheimische Bevölkerung exportfähige Rohstoffe fr
unsere Bedrfnisse in den reichen Regionen der Erde angebaut werden,
nur eben die Einnahmen aus den Exporten nicht einmal dazu ausreichen,
gengend Nahrungsmittel aus dem weltweiten
Nahrungsmittelberschuß fr die Menschen 'dort' zu
importieren, weil die Rohstoffpreise so niedrig und die
Nahrungsmittelpreise so hoch sind. Unser Überfluß
'hier' aber beruht größtenteils auf den fr uns so
gnstigen Rohstoffpreisen. Wer wirklich der
Bevölkerungsexplosion entgegentreten will, muß indes
fr ein Ende der Armutsexplosion eintreten, denn die Realität
zeigt ja gerade, daß berall, wo der Lebensstandard
höher ist, sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt,
während in der Armut doch gerade der einzelne Mensch seine
zahlreichen Familienangehörigen benötigt, um zu
berleben. So gesehen, bedeutet die Einschränkung des
Bevölkerungswachstums 'dort' lediglich, daß damit
ein Weg gefunden ist, wie wir 'hier' nicht mit denen 'dort' teilen
brauchen, denn so soll sichergestellt werden, da 'dort' auch weiterhin
billigst Rohstoffe fr uns produziert werden können. Die
Einschränkung des Bevölkerungswachstums 'dort' ist
nur eine andere Variante der jetzigen Weltwirtschaftsweise: die
Menschen 'dort' haben sich einzuschränken, damit wir 'hier'
uns ausleben können. Einen Ausweg kann nur ein
verändertes Weltbild ermöglichen, das auf die Teilung
der Welt und der Menschen in 'hier' und 'dort' verzichtet.

DAS WELTBILD DES ISLAM

Der Islam steht wie schon gesagt fr das Friedenmachen. Deshalb betont
er berall das "Eins-Sein", nicht die Entzweiung. Alle Menschen
gehören zu einer Menschheit, sind Allahs Geschöpfe.
Die ganze Erde ist Allahs Erde. Allah hat sie den Menschen zur Nutzung
anvertraut, und alle Menschen haben darauf Anspruch. Aber sie
gehört keinem von uns, sondern Allah. Deshalb sind wir bei der
Verwirklichung unserer Ansprche gehalten, die Regeln zu beachten, die
Allah als Schöpfer und als Eigentmer damit verbunden hat.
Wirtschaften in der Welt ohne Rcksicht auf Allahs Regeln ist letzten
Endes Gottlosigkeit.

INSTRUMENTE DES ISLAM FÜR DIE WIRTSCHAFT

Dem Islam wird von seinen Kritikern oft vorgehalten, er berschreite
die einer Religion gesetzten Grenzen und mische sich ein in Fragen von
Recht und sogar Politik. Aus der abendländischen
säkularen Weltsicht, aus der letztendlich ja auch das
derzeitige Weltwirtschaftssystem folgte, mag dies berechtigt
erscheinen, aber es geht völlig am Selbstverständnis
des Islam vorbei. Der Islam als Lebensweise des Friedensmachens - auch
gerade mit den Mitmenschen - kann in diesen Bereichen nicht schweigen.
Vielmehr stellt er hierfr wie auch fr den Bereich der
wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander Instrumente zur
Verfgung. Diese Instrumente dienen dazu, das Friedenmachen nicht
bloß individuell als theoretisches Wunschkonzept zu
verfolgen, sondern im persönlichen wie gesellschaftlichen
Leben tagtäglich zu verwirklichen. Hierzu bedarf es allgemein
gltiger als verbindlich anerkannter Grundsätze. Fr den
Muslim als gläubigen Menschen sind sie im Worte Allahs, im
Koran, festgelegt. Wer sie befolgt, bewirkt Frieden, wer sie
mißachtet, Unfrieden. Als die wichtigsten dieser
Grundsätze seinen genannt:

KEINE ZINSEN

Die heutige Wirtschaft und das Weltwirtschaftssytem sind untrennbar mit
dem Zinswesen verknpft. Das auffälligste Instrument, das der
Islam fr die wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander
anbietet, ist sein rigoroses Zinsverbot. Im Koran heißt es
dazu: "....Allah hat den Handel erlaubt, aber den Zins verboten...."
(2:275). Der Koran fordert die Menschen also dazu auf, vom Zins
abzulassen. Dieser Grundsatz ist ihm äußerst
bedeutsam: "....und wenn ihr das nicht tut, dann vernehmt Krieg von
Allah und Seinem Gesandten..." (2:279). Mit anderen Worten: Notfalls
ist die Befreiung des Menschen aus seiner Gefangenschaft im Zinssystem
auch mit Gewalt erforderlich. Dazu steht der Islam ebenso
kompromißlos ihren Grundprinzipien wie die Vertreter der
jetzigen Weltwirtschaftsweise zu ihren Grundprinzipien, als sie z.B. in
den Achtziger Jahren durch den Einsatz von Kriegsschiffen im Golf das
"Recht auf freie Schiffahrt" erzwangen.

Zins (arab. "riba") ist nach einem Worte des Propheten Muhammad
(a.s.s.): " Gold fr Gold, Gewicht fr Gewicht, Gleiches fr Gleiches,
und Silber fr Silber, und wer etwas hinzufgt oder mehr verlangt, das
ist riba" (Abu Huraira; Muslim). Das heißt: Geliehenes
Kapital, gleich in welcher Form, ist ohne jedweden Zuwachs
zurckzuzahlen. Geld ist keine Ware, mit der gewinnbringender Handel
statthaft wäre. Durch diesen Grundsatz wird die
Möglichkeit ausgeschlossen, allein durch Verleihen von Kapital
und ohne Risikobeteiligung Gewinn machen. Dies steht dem Zinswesen als
Grundlage der Weltwirtschaft diametral gegenber. Die Anwendung dieses
Instruments wrde deshalb zu einer grundsätzlichen
Veränderung der Wirtschaft fhren. Man stelle sich nur einmal
vor, welche Folgen dies z.B. fr die Beziehungen zu den armen
Ländern haben könnte, deren erwirtschaftetes
Vermögen heutzutage größtenteils fr den
sog. "Schuldendienst" verwendet werden muß, d.h. zur Tilgung
der Zinsen, die an Kredite aus den Industrienationen gebunden sind.
Selbst hierzulande ließe sich z.B. das Problem der akuten
Wohnungsnot und der horrenden Mieten ber zinsloses Baugeld fr
jedermann sicher bald lösen.

KEIN HORTEN UND KEINE SPEKULATION

Ein weiterer wesentlicher Grundsatz islamischer Wirtschaftsweise ist
der Verzicht darauf, Waren - oder auch Geld - zurckzuhalten und
anzusammeln, um damit die Preise zu beeinflussen und auf diesem weg
Gewinne zu machen. Das Zinswesen andererseits fhrt genau zu diesem
Effekt, daß Kapital oder waren angesammelt und dann eben
zinsgnstig und gewinnbringend, aber keineswegs immer
produktionsfördernd eingesetzt werden. Der Koran verbietet das
Horten unmißverständlich: "....und denen, die Gold
und Silber horten und es nicht auf Allahs Weg ausgeben, verknde ihnen
schmerzliche Strafen...." (9:34). Man bedenke in diesem Zusammenhang
auch welche Folgen ein Verzicht auf derartige Wirtschaftspraktiken -
bis hin zu Rohstoffpreisen, Termingeschäften u.ä. -
haben könnte.

Das Geld selbst ist im brigen an Gold bzw. Silber gebunden, d.h. die
Menge und damit der Wert nicht - wie heutzutage blich - willkrlich
ber die Notenpresse veränderbar. Statt Geld ohne Rcksicht
auf die tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten
bloß gewinnbringend arbeiten zu lassen, sieht der Islam
unterschiedliche Formen und Handelsgeschäften vor, denen allen
die Beteiligung an Gewinn und Verlust zugrunde liegt. Einseitige
Vorteilnahme bzw. einseitiges Risiko lehnt der Islam.

DIE ZAKAT

Ein weiteres Instrument fr die Gestaltung der wirtschaftlichen
Beziehungen der Menschen untereinander ist die sog. "Armensteuer"
(Zakãt), eine "Wachstums- und Bereinigungsabgabe". Der Islam
besteht auf dem Grundsatz des privaten und persönlichen
Eigentums (ausgenommen Grundressourcen wie z.B. Wasser, Energie
u.ä.). Zugleich verpflichtet er jeden Gläubigen, der
im Laufe eines Jahres ber mehr als das Mindestmaß zur
Sicherung seiner eigenen Existenz verfgt, eine Abgabe zu leisten, die
sich auf 2,5 % des Vermögens beläuft
(ähnlich bei Viehzucht, Landwirtschaft usw.). Das Eigentum
verpflichtet also. Die Verwendung der "Zakãt" ist
zweckgebunden. Sie kommt den bedrftigen Menschen zugute, die ber
weniger als das Existenzminimum verfgen. Somit wird
alljährlich ein Ausgleich geschaffen, der den Bedrftigen
einen neuen Anfang ermöglicht, ohne die wirtschaftliche
Betätigung des Vermögenden einzuengen. Entsprechende
Berechnungen haben gezeigt, daß mit der Anwendung dieses
Instruments der Zakãt als jährliche Steuer auf die
Vermögenden und Einknfte der Wohlhabenden dieser Erde leicht
allen bedrftigen und armen Menschen ein menschenwrdiges Dasein
ermöglicht werden könnte. Auf dem Gipfel von Rio
haben sich die Industrienationen nicht einmal zur Bereitstellung von
0,7 % ihres erwirtschafteten Vermögens fr die armen
Länder durchgerungen. Kein einziges der industrialisierten
Länder hat berhaupt je die bisher als Richtzahl gesetzten 0,3
% seines BSP (bzw. BIP, M.K.) fr die armen Länder erreicht.

WARUM ISLAM FÜR DIE WIRTSCHAFT ?

Der Islam will Frieden bringen, die gegenwärtige
Wirtschaftsweise kann das nicht. Sie erwirtschaftet sogar
beträchtliches Vermögen durch Kriege ber die
Rstungsindustrie. In all ihren Spielarten, von der sozialistischen
Planwirtschaft, ber die soziale Marktwirtschaft bis hin zur freien
kapitalistischen "laissez-faire"-Wirtschaft ist ihr das Friedenmachen
nicht gelungen. Fairerweise muß man sagen, daß dies
auch nicht ihr Ziel ist. Sie will vielmehr in erster Linie Gewinne
erwirtschaften. Die Welt in der wir leben, mit der Schande der Armut,
der Umweltzerstörung und den ständigen Kriegen sind
der unbersehbare Ausdruck dieses Versagens. Der Islam tritt
stattdessen dafr ein, allen Menschen ein menschenwrdiges Dasein
möglich zu machen, weil er die Menschen nicht als einer dem
anderen - je nach wirtschaftlicher Macht - untergeordnet versteht,
sondern alle Menschen als Geschöpfe Allahs ansieht,
demgegenber jeder Einzelne letztendlich verantwortlich ist. Die
islamische Lebensweise setzt als das erstrebenste Ideal im Leben nicht
die Produktions- und Konsum-Maximierung, sondern das Erlangen der
Zufriedenheit Allahs. Darum ordnet sie auch das wirtschaftliche
verhalten dem Willen Allahs unter. Ohne Friedenmachen mit Allah, d.h.
Annehmen Allahs Willens, gibt es auch keinen Frieden unter den Menschen.
    
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